Verkehrsplanung

Arealentwicklung Bahnhof Wald

Studienauftrag im 2012

Das Gebiet rund um den Bahnhof Wald ist mit dem öffentlichen Verkehr hervorragend erschlossen und darum in der kommunalen Raumplanung als erstrangiges Entwicklungsgebiet eingestuft. Das heutige Erscheinungsbild wird dem Standortpotenzial und der Funktion als regionaler Umsteigeknoten des öffentlichen Verkehrs nicht gerecht. Mittels einer Testplanung wurden im Jahr 2012 mögliche Transformationsbilder gesucht. Ein städtebauliches, verkehrliches und architektonisches Gesamtkonzept sollte die planerische Zukunft des Ortes charakterisieren und Parameter für die künftige Entwicklung festlegen. Als interdisziplinäres Team hat sich die asa AG mit ihren gebündelten Fachkomptenzen Verkehrsplanung, Architektur und Raumplanung dieser Herausforderung gestellt - mit Erfolg!

Im Spannungsfeld «Denkmalschutz und Nutzungsverdichtung» ist es der asa AG gelungen, das markante Volumen eines Grossverteilers sorgfältig in die Topographie einzubetten, dass die Massstäblichkeit in der dörflichen Struktur gewahrt bleibt, eine zukunftsfähige Nutzungsverdichtung an verkehrsgünstiger Lage möglich wird und die Verkehrserschliessung für alle Verkehrsteilnehmenden einwandfrei gewährleistet ist. Im Rahmen des anschliessenden Mitwirkungsverfahren äusserte sich die Waldner Bevölkerung positiv zu unserer Konzeption. Der ausgewogene Vorschlag, die breite Akzeptanz und die Robustheit von unserem Vorschlag waren die Trümpfe, welche der asa die Poleposition in der nachfolgenden Planung sicherte.

Richtprojekt / Verkehrsraumgestaltung

Auf Basis des Masterplans wurde die asa AG mit der Ausarbeitung eines Gestaltungskonzeptes für das Bahnhofareal beauftragt. Mit dem logischen Etappenziel «Öffentlicher Gestaltungsplan Bahnhof Wald» durften wir ab 2016 das Gestaltungskonzept für die einzelnen Baufelder und die Verkehrserschliessung weiterentwickeln. Über sieben Jahre hinweg und in enger Zusammenarbeit mit den Schweizerischen Bundesbahnen, der Gemeinde Wald und der Firma Suter Von Känel Wild, Planer und Architekten AG präzisierten wir die Entwicklung auf dem Bahnhofareal und den zuführenden Strassen. An der Gemeindeversammlung vom 19. September 2023 wurde der öffentliche Gestaltungsplan «Bahnhof Wald» mit einer grossen Mehrheit festgesetzt. Dieser Meilenstein stellt die Weichen für eine prosperierende Gemeindeentwicklung am richtigen Ort.

Neuorganisation Bushof

Ein barrierefreier Bushof definiert die attraktive Umsteigesituation der Zukunft. Bei der Strukturentwicklung wurde speziell darauf geachtet, dass die hohen Anlegekanten und die Anrampungen räumlich so konzentriert sind, dass diese den Vorbereich des Aufnahmegebäudes möglichst wenig beeinträchtigen und gleichzeitig die Idee einer flächigen Bahnhofplatzgestaltung gewährleistet bleibt. Nebst dem bestehenden, filigranen Vordach am Aufnahmegebäude wird der heute knapp bemessene Witterungsschutz im Bereich der beiden neuen Veloparkierungsanlagen erweitert. Kurze Umsteigebeziehungen zwischen Bus und Bahn sind gewährleistet.

Die Anordnung der Bushaltekanten wurde mit der marktverantwortlichen Unternehmung harmonisiert. Dabei sind die direkten, fahrplanrelevanten Zu- und Wegfahrten der Busse fahrdynamisch nachgewiesen worden. Im Vergleich zu heute werden sich die Warte- bzw. Zirkulationsbereich für die Kundschaft des öffentlichen Verkehrs verdoppeln.

Architektur / Richtprojekt

Der sorgfältige Umgang mit den Schutzobjekten prägt die vorliegende Architektur. In gebührendem Abstand zum inventarisierten Aufnahmegebäude werden auf dem westlichen Baufeld zwei polygonale Wohn- und Gewerbebauten vorgeschlagen. Die Anordnung und Form der Baukörper orientieren sich an den Achsen der Bahnhof- und Laupenstrasse sowie der Bahnlinie. Der westliche Kopfbau weist vier und das östliche Gebäude zwei Vollgeschosse auf. Ein in das bestehende Terrain integriertes Sockelgeschoss ergänzt das neue Nutzungsvolumen.

An der Lage des rückzubauenden Güterschuppens ist ein trapezförmiger Gebäudekomplex positioniert. Das Erdgeschoss dient einem Grossverteiler als Verkaufsfläche. Die zwei Obergeschosse sind für Gewerbe-, Wohn- und Büronutzungen vorgesehen. Lichtschächte gewährleisten eine optimierte Belichtung der Grundrisse. Das Aufnahmegebäude bleibt als überkommunales Inventarobjekt erhalten.

Gestaltete Freiräume / Verkehrskonzept

Durch die Setzung der Neubauten entstehen im Zusammenspiel mit den bestehenden Bauten (Aufnahmegebäude, Bank) grosszügige und gut gefasste Freiräume. Publikumsorientierte Erdgeschossnutzungen und die Pendlerströme sichern die Belebung der öffentlichen Räume.

Das künftige Kreiselbauwerk auf der Laupenstrasse bewirkt, dass der motorisierte Verkehr aus dem Bahnhofareal möglichst direkt und störungsfrei der übergeordneten, kantonalen Verkehrsachse zugeführt werden kann. Dies betrifft insbesondere die Erschliessung der neuen Tiefgarage. Im Weiteren resultiert aus diesem verkehrsplanerischen Grundsatz eine Entlastung auf der angrenzenden Gartenstrasse bzw. der Einmündung in die Laupenstrasse. Gleichzeitig wird mit dieser Verkehrslenkung auch der Fahrplan im öffentlichen Verkehr stabilisiert.

Die bestehende und bewährte Begegnungszone auf der nördlichen Bahnhofstrasse wird bis zur südwestlichen Arealzufahrt der Bäckerei Steiner ausgedehnt. Dank der Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h und dem Vortrittsrecht des Fussverkehrs werden die unterschiedlichsten Mobilitätsansprüche (Fuss-/Radverkehr, öffentlicher Verkehr, Anlieferung, Parkierung, Temporärnutzungen etc.) in einem fehlertoleranten Verkehrsumfeld ausgewogen berücksichtigt.

Kombiniert mit der angezielten Neugestaltung des Strassenraums, können die heute gefahrenen Geschwindigkeiten deutlich reduziert sowie eine ruhigere, gleichmässigere Fahrweise erzielt werden. Aus dem künftigen Erscheinungsbild resultiert automatisch eine tiefere Fahrgeschwindigkeit. Diese wiederum steigert nebst der Verkehrssicherheit auch die Lebens- und Aufenthaltsqualität. Der künftige Bahnhofplatz wird verstärkt zum Begegnungsort – hier werden dereinst soziale Kontakte gepflegt.

Die heute linear geprägte Verkehrsführung auf dem Bahnhofplatz wird durch eine platzartige Gestaltung von Fassade zu Fassade abgelöst. Eine friesartige Granitrinne dient für seheingeschränkte Menschen als Führungselement, definiert subtil den ertastbaren Fahrbereich über den Bahnhofplatz und ermöglicht rund um den neuen Platz eine optionale Zirkulation ausserhalb der Fahrwege des motorisierten Verkehrs. Im Weiteren integriert das erwähnte Rinnenelement die Entwässerung elegant.

Funktion und Gestaltung bilden auch im Bereich der Bushaltestellen eine Einheit. Eine Betonplatte vor dem historischen Aufnahmegebäude strukturiert den Platz mit einem Materialwechsel, löst die Linearität auf und gewährleistet für die spurtreuen Fahrbeziehungen der Busse einen langlebigen Unterbau. Diese Materialisierung thematisiert das Einzelschutzobjekt «Aufnahmegebäude» als zentrales Element in der Platzkonzeption.

Ab der Laupenstrasse säumt auf dem grosszügigen, breiten Trottoir eine alleeartige Baumpflanzung die südwestliche Bahnhofstrasse. Drei markante, gezielt positionierte Solitärbäume auf dem Bahnhofplatz kammern den Raum. Im Schatten der Kronen entstehen drei kleine, multifunktionale Plätze, die beispielsweise für eine erweiterte Gastronutzung, eine Geschäftsauslage oder eine spontane Standaktion temporär genutzt werden können. Diese liegen durch die bewusste Setzung der Bäume und der Möblierung sowie durch die Anordnung der Personenwagenparkierung so im Raum, dass sie vom motorisierten Verkehr nicht tangiert werden. Dezentral angeordnete Sitzbänke stehen für eine kurze Rast oder eine soziale Interaktion bereit, der Brunnen bahnhofseitig thematisiert das Element Wasser, welches für die Waldner:innen von historischer Bedeutung ist.

Einzelne kleine Bäume im peripheren Platzbereich sowie eine Baumreihe auf dem nordöstlichen Parkplatz entlang der Gleisanlage sorgen für eine ökologische Aufwertung (Ökosystemleistungen; Mikroklima, Wasserhaushalt, Bodenerhalt etc.). Die Organisation einer Verkehrsdrehscheibe ist aufgrund ihrer Funktion per se flächenintensiv und mit einem hohen Flächenanspruch gekoppelt. Das Konzept reagiert auf diese Tatsache u.a. mit sickerfähigen Parkplatzflächen und grosszügigen, begrünten Baumgruben. Im Grundsatz orientiert sich die Materialisierung im vorliegenden Betriebs- und Gestaltungskonzept an der Prämisse «Einfachheit als Qualitätsmerkmal». Eine zurückhaltende Gestaltung soll die Multifunktionalität einer effizient genutzten Erschliessungs- bzw. Siedlungsfläche unterstützen. Diese bewusst gewählte Einfachheit versteht sich als Qualitätsmerkmal.